Wohnsiedlung Schmelz

Die Wohnsiedlung Schmelz erinnert mehr an die Wiener Siedlungsbewegung, die aus dem Wohnungselend und der Lebensmittelknappheit hervorgegangen war, als an die späteren Gemeindebauten des Roten Wien. Als Selbsthilfemaßnahme war gegen Kriegsende und danach Land in Besitz genommen worden, um Lebensmittel anzubauen und Wohnmöglichkeiten zu schaffen. Davon zeugt die Wohnsiedlung Schmelz.

Rudolf Maresch, Mitglied der „Zentralstelle für Wohnungsreform“, war maßgeblich an der Planung und Errichtung der Wohnsiedlung Schmelz beteiligt, deren südlicher Teil 1920 fertiggestellt und übergeben wurde und seinen Namen trägt: Mareschbau. In weiteren Bauphasen bis zum Jahr 1924 wurden noch der "Planschbeckenbau" und der "Hufeisenbau" am errichtet. Die gesamte Wohnhausanlage umfasst 85 Wohnhäuser mit ursprünglich 832 Wohnungen (heute 721) und acht Geschäftslokalen. Auch das erste Kinderfreibad Wiens befand sich hier, im Park entlang der Gablenzgasse.
Die Planungen zum Mareschbau hatten bereits 1918 während des Krieges begonnen, 1920 wurden die ersten 42 Häuser fertiggestellt und an die Mieter*innen übergeben. Errichtet wurde der Bau auf dem südlichen Teil des ehemaligen Exerzierplatzes Schmelz der Radetzky-Kaserne, der sich bis zum heutigen Gürtel erstreckte. Aufgrund des Baustoffmangels wurden die Decken und Stiegen mit Bauholz und die tragenden Wände aus Betonhohlsteinen gefertigt. Die Wohnhäuser sind einstöckig, die Fassaden schlicht und einfach. Um den Mareschplatz, in dessen Zentrum ein Steinbrunnen steht, liegen die ursprünglich zur Selbstversorgung angelegten Gärten. Die Gemeinde Wien fungierte zwar als Bauträger, die zukünftigen Bewohner konnten sich jedoch an der landschaftlichen Gestaltung der Gärten und dem Ausbau der Wohnungen beteiligen. Heute kümmert sich um diese Gärten der „Verein der Hausgärtner der Siedlung Schmelz“. Die Gärten sind parzelliert und können von Bewohn*innen der Wohnhausanlage gemietet werden.
Der zweite Bauteil, der an der Gablenzgasse/Possingergasse liegt (errichtet 1922-1923), wurde nach dem Kinderfreibad, das sich ehemals im Hof befunden hatte, "Planschbeckenbau" genannt. Diese Blockrandverbauung ist bereits zwei- bis dreistöckig und entspricht mit ihren glatt verputzten Fassaden schon viel deutlicher der Ästhetik des sozialen Gemeindebaus der 1920er-Jahre. Der am Rohrauerpark gelegene "Hufeisenbau" wurde in der letzten Bauphase von 1923-1924 errichtet und unterscheidet sich durch die Erker und Loggien, die starken Vor- und Rücksprünge in der Fassade und die aufgelockerte Dachlinie deutlich von den älteren Bauteilen. Bei den beiden letzten Bauteilen wurden mit besseren Baumaterialien bereits vier- bzw- fünfgeschoßige Häuser errichtet.

© Text: Eva Barilich, Fotos: Dieter Henkel

AkteurInnen:

ArchitektInnen: Hugo Mayer

Adresse:

1150 Wien

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr

Erreichbarkeit:

U3, Kendlerstraße
Bus 12A, Minciostraße

Baujahr:

1919-1924

Links:

www.wienerwohnen.at