Porzellanmanufaktur Augarten

Seit 300 Jahren wird in Wien Porzellan produziert, die Wiener Porzellanmanufaktur war, nach Meißen, die zweitälteste in Europa. 1923 wurde sie am heutigen Standort als Porzellanmanufaktur Augarten neu gegründet. Der Augarten ist die älteste barocke Gartenanlage in Wien.

OHW - Erlebnis

Die Porzellanmanufaktur liegt parkseitig neben dem Palais Augarten, das die Wiener Sängerknaben beherbergt. Die Führung beginnt vor der Manufaktur, einem historischen Gebäudeflügel in der Sichtachse vom Hauptportal. Die Tour geht durch die Werkstätten und endet im Porzellanmuseum.

Donauauen, kaiserliches Jagdgebiet, Gartenanlage. Jagdschloss, Palais, kaiserliche Favorita. Das sind die romantischen Aspekte der Geschichte des Augartens. Dazu passen Anekdoten von ausgesetzten Nachtigallen, rauschenden Festen und Morgenkonzerten mit Wolfgang Amadeus Mozart.
Aber zum Augarten gehören auch Hochwasser, Türkenbelagerung und Weltkriege. Überschwemmte Gärten, zerstörte Gebäude, die Flaktürme. Die Türme werden bleiben, manches Gebäude bleibt verschwunden und die Donau fließt weiter, aber jetzt reguliert. Der Garten steht unter Denkmalschutz, inklusive aller Gebäude, auch dem der Porzellanmanufaktur.
In diesem barocken Palais, unübersehbar vom Hauptportal aus, wird Porzellan in Handarbeit nach allen Regeln der Kunst hergestellt. Werkstätten, Brennhalle, Materialmühle sind, von vorne nicht sichtbar, in einem modernen Anbau untergebracht. Der barocke Schein trügt nach allen Regeln des Denkmalschutzes.
Früher war dieses Saalgebäude, wie es heute genannt wird, nur der Seitentrakt eines größeren Schlosses aus dem 17. Jahrhundert. Erhalten ist davon nicht mehr als eine Mauer. Das Nebengebäude steht jetzt im Mittelpunkt, als wäre es nie anders gewesen. Aber das passt zu einem Betrieb, der neben all den golden dekorierten und oft mit übernatürlich schönen Rosen und Veilchen bemalten Gegenständen seit langem auch Trompe-l’oeils herstellt, unter anderem in Form einer Kaisersemmel. Täuschend echt wie manche Mutmaßung oder Anekdote.
Die Porzellanmanufaktur befindet sich erst seit 1923 im Augarten, die um 1775 ausgesetzten Nachtigallen waren vermutlich Lerchen und die Morgenkonzerte konvenierten Mozart so gar nicht, dass er sich bald davon zurückzog.
„Allen Menschen gewidmeter Erlustigungsort von ihrem Schätzer“ steht auf einer Tafel, die Joseph II. über dem Eingangsportal zum Augarten anbringen ließ. Dass es trotz aller guten Wünsche an einem solchen Ort nicht immer lustig zugehen wird, war zu erwarten. Geschichte hinterlässt Scherben. Im Augarten sind sie, heutzutage, wenigstens aus Porzellan.

Text: © Ursula Siller, Fotos: © Dieter Henkel

AkteurInnen:

Ursprünglicher Bauherr: Graf Johann Franz von Trautson.
Änderungen unter Kaiser Leopold I.
Umbau 2011 und 2018: Mag. Arch Susanne Zottl.
Inneneinrichtung Museum: Boris Podrecca.

Adresse:

1020 Wien, Obere Augartenstraße 1

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr
So 10 - 17 Uhr
Kinderführungen 10 -16 Uhr

Erreichbarkeit:

U2, Taborstraße
Straßenbahn 2, Taborstraße
Straßenbahn 31, Obere Augartenstraße
Bus 5A, 5B, Malzgasse

Baujahr:

1654; 1705 Wiederaufbau.
Danach zahlreiche Änderungen, zuletzt 2011 und 2018

Links:

www.augarten.com