Sigmund-Freud-Hof

Der Sigmund-Freud-Hof ist ein typischer Wiener Gemeindebau der Zwischenkriegszeit. Die Menschen erhielten hier nicht nur Wasseranschluss, WC, Licht, Luft und Hofbegrünung, sondern für die geistige Nahrung auch eine Volksbibliothek und Künstlerateliers

Der Neurologe und Psychiater Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, ist der Namensgeber dieses Wiener Gemeindebaus. Eine Gedenktafel im Hauseingang erinnert an ihn.

1923 wurde in Wien ein umfangreiches Bauprogramm für 63.000 Wohnungen gestartet, um für die Bevölkerung menschenwürdige Wohnungen zu schaffen - hell, trocken, mit Wasserleitung und WC ausgestattet, waren sie ein krasser Gegensatz zu den Bassena-Wohnungen in den Mietskasernen.

Franz Krauss (Schüler der großen Ringstraßen-Architekten Carl von Hasenauer und Friedrich von Schmidt) und Josef Tölk (studierte bei Theophil Hansen) planten zunächst drei Trakte rund um einen Innenhof; 1931 wurde dieser durch einen Bauteil, den Ludwig Tremmel konzipierte, zum Franz-Josefs-Bahnhof hin geschlossen. Der Bau wies Kleinwohnungen verschiedenen Typs auf und war mit drei Geschäftslokalen, einer Volksbibliothek, einem Zahnambulatorium, einem Kindergarten, drei Künstlerateliers mit Nebenräumen, einer zentralen Bade- und Waschanstalt sowie in jedem Dachgeschoß einer Waschküche ausgestattet.

Die blockartige Verbauung des trapezförmigen Grundstücks umfasst neun Häuser mit 5 bzw. 6 Geschoßen. Das Eckhaus Wasserburgergasse schließt mit einem turmartigen Aufbau, der eine verglaste Atelierwohnung beherbergt, ab. Ähnlich ist die Gestaltung an der Ecke Gussenbauergasse/Tepserngasse, sodass die am reichsten gestaltete Fassade, nämlich jene zum Donaukanal, von zwei Ecktürmen umrahmt wird.

Die Fassaden zeigen expressionistische Gestaltungsformen, Portale mit Putten, die Stiegenhäuser und Hofeingänge werden durch spitze Vorbauten betont. Die originale Farbgebung in hellgrau, gelb und grellrot dürfte diesen Effekt noch verstärkt haben.

Der später realisierte Trakt zur Nordbergstraße schließt nahtlos an die früher errichteten Gebäude an. (Das Buch „Das rote Wien: sozialdemokratische Architektur und Kommunalpolitik 1919-1934“ von Helmut Weihsmann führen den Wohnbau von Ludwig Tremmel in der Nordbergstraße 14-16 allerdings NICHT als Teil vom Sigmund-Freud-Hof an.) Insgesamt ist die Gestaltung dieses Bauteils äußerst sparsam, geradezu karg. Seit der zuletzt erfolgten Sanierung (inkl. Lifteinbau um 2002) stechen die beiden Bauphasen durch unterschiedliche Farbgebung der Fassaden noch mehr ins Auge.

© Text: Melanie Strommer, Fotos: Peter Hassmann

AkteurInnen:

Architektur: Architektur: Franz KraussJosef TölkLudwig Tremmel 

Adresse:

1090 Wien, Gussenbauergasse 5-7, Stiege 2 

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr
So 10 - 17 Uhr

Erreichbarkeit:

U4 Friedensbrücke, Linie 5 Friedensbrücke

Baujahr:

1924/25 und 1931
Sanierung 2001/2002

Links:

www.wienerwohnen.at
www.dasrotewien.at