Reumannhof

Der mit seiner 180 Meter langen Fassade am Margaretengürtel 100-110 liegende Reumannhof ist das Herzstück der „Ringstraße des Proletariats", wie der Margaretengürtel auch bezeichnet wird. Der überhöhte monumentale Mitteltrakt dieses Gemeindebaus mit dem „Ehrenhof“ sowie mit zwei symmetrischen seitlichen Gartenhöfen ist der Prototyp des „Volkswohnungspalastes“.

Nach Plänen des Architekten Hubert Gessner wurde in den Jahren 1924 bis 1926 der Reumannhof als schloss artige Anlage mit 478 Wohnungen - 25 - 60 m2 groß - 11 Ateliers, 19 Geschäftslokalen, Werkstätten, einer Zentralwäscherei, einem Kindergarten, einer Milchtrinkhalle und dem hauseigenem Cafe Reumannhof errichtet.
Der dominierende neungeschoßige erhöhte Mittelteil – ursprünglich waren 16 Geschoße mit 2.500 Wohnungen vorgesehen – bildet mit den beiden ebenso dominanten siebengeschoßigen Seitenflügeln das Zentrum des streng symmetrisch angelegten Baus.
Im Erdgeschoß des beeindruckenden Mittelbaus befindet sich ein Kindergarten. Der Arkadenaufgang, der zum Kindergarten führt, wird von zwei Puttigruppen von Max Krejca geziert. Links vom Ehrenhof befindet sich die aus Majolika gefertigte Bautafel in Form eines Torbogens. Die Hauptfront ist weit von der Baulinie zurückgenommen und bildet dadurch einen ehrenhofartigen, gärtnerisch und architektonisch gestalteten Vorplatz, der das Herzstück der Anlage bildet. Sehenswert sind auch die Portale, die vom Ehrenhof zu den tiefer gelegenen Seitenhöfen führen und mit farbigen Keramiktafeln mit Handwerker-symbolen verziert sind. Im Ehrenhof befinden sich auch ein Brunnen und die Reumann-Büste aus Bronze von Franz Seifert (1926). (Von ihm stammt auch das Republikdenkmal an der Ringstraße) Vor der Straße ist der Ehrenhof durch symmetrisch verlaufende Steinpergolen, Pavillons und unterschiedliches Gitterwerk geschützt.
Das harmonikaartig gefaltete Mitteldach mit Blendfensterarkaden im Dachgeschoß und eine monumentale Dachzonenlösung mit heraustretenden Erkerfenstern und Loggien erinnern an typologische Elemente der Herrschaftsarchitektur Otto Wagners. Mit Arkaden, Rundbögen und Dreieckserkern gibt Gessner Elemente der „ersten Moderne“ im Wien der vorletzten Jahrhundertwende wider.
In der unteren, gürtelseitigen Arkadenreihe befinden sich Geschäftslokale, darüber fünf Regelwohngeschoße und zuletzt das zurückgenommene Dachgeschoß mit den Waschküchen, wodurch der ganze Bau eine feine horizontale Gliederung erfährt.

© Text: Eva Barilich Fotos: Dieter Henkel

AkteurInnen:

Architektur: Hubert Gessner

Adresse:

1050 Wien, Margaretengürtel 100-101

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr

Erreichbarkeit:

Linie 6,18
Bus 59A, Arbeitergasse/Gürtel

Baujahr:

1924-1926

Links:

www.wienerwohnen.at