Plusenergie-Dachboden

Dieser Dachboden-Ausbau auf einem typischen Gründerzeithaus wurde nach den neuesten Erkenntnissen des Bauphysikers Jochen Käferhaus geplant und umgesetzt. Neben bauphysikalischen Finessen lockt die Wohnung durch eine großartige Aussicht.

OHW-Erlebnis

Der Bauherr selbst wird anwesend sein und gerne alle Fragen zu Bauphysik und Architektur beantworten. Freu` Dich auf angeregte Gespräche mit Jochen Käferhaus und einige Aha-Erlebnisse! Kein Lift!

Der ursprünglich 250 m² Rohdachboden mit Südausrichtung wurde in drei Wohnung geteilt. Bei höchster thermischer Qualität mit 35 cm Dämmung und Dreifachverglasung, außenliegenden Beschattungen wurde ein spezifischer Heizenergiebedarf von 19 kWh/m²/a errechnet. In Realität wurde eine spezifische Heizlast von 24kWh/m²/a verbraucht. Alle Wohnungen sind als Maisonnetten-Wohnung zweigeschossig, jeweils mit offenen Kamin, ausgebaut worden.
Nicht nur, dass man mit dem Ausbau von Dachböden zusätzlichen Wohnraum in den Cities schafft und damit eine Nachverdichtung, so kann man auch mit intelligenter Infrarot-Elektro-Flächenheizung ein ausgesprochen nachhaltiges Heizungssystem nutzen, auch wenn bislang viele kritische Argumente gegen eine elektrische Direktheizung sprechen, wenn man die folgenden Grundregeln beachtet: Der neugestaltete Dachboden muss in bester thermischer Qualität in Passivhausbauweise mit einem spezifischen Heizenergiebedarf von circa 15 kWh/m²/a gebaut werden. Pro Wohneinheit muss eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 3 kWp montiert werden, was in etwa 20 m² Dachfläche entspricht. Inzwischen kosten diese Anlagen ohne Förderung rund 6.000,- netto. Letztlich muss eine intelligente Regelung in Verbindung mit einem schlauen Tarifsystem gefunden werden, das im Winter, wo wenig Sonnen- und PV Strom zur Verfügung steht, z. B. "grünen" Wasserkraftstrom von der Mur, wie das die e-friends anbieten, oder Windstrom aus dem Burgenland zur Beheizung der Infrarot-Folienheizung nachhaltig nutzt.
Letztlich muss die Beheizung des Dachbodens so intelligent erfolgen, dass beispielsweise über ein Elektro-Heizkabel im Estrich, der mit PCM (phase changing material) angereichert ist. Mit dieser großen Speichermasse und leichter Übertemperatur im Raum im Winter, Tags, wenn Licht und Sonne vorhanden sind, wird die Wärme gespeichert und steht im Winter am Abend zur Verfügung, wenn es keine Sonne und PV Strom mehr gibt. Man würde dann die sehr flexible Folienheizung für die Spitzenlast nutzen und die Grundlast der Heizung über den Estrich einbringen. Dann würde man auch optimal die Vorteile der sehr schnell reagierenden und sehr flexiblen elektrischen Infrarotheizung bestmöglich mittels Präsenzmelder nutzen. Eine elektrische Infrarot Panelheizung ‚heiße Bilder‘) wirkt ähnlich, bietet aber nicht den gewünschten Komfort und hat eine zu hohe Oberflächentemperatur.
Dazu noch ein kurzer Gedanke: Natürlich kann man der Meinung sein, dass Strom zum direkten Heizen exergetisch ungünstig ist, was richtig ist, da prinzipiell der Strom viel zu wertvoll ist, um in Raumwärme zu ‚verbraten‘. Andererseits kann man aber auch berechtigtermaßen der Meinung sein, dass selbst erzeugter Strom für jede elektrische Nutzung eingesetzt werden kann-auch wenn ich ihn nur zur WW-Bereitung nutze, bevor ich ihn ins Netz rückspeise (‚smart grid‘).
Abschließend muss noch einmal unterstrichen werden, dass nach wie vor eine Elektroheizung kritisch diskutiert werden muss. Wenn Sie aber in einem Dachboden mit diesem geringen Energieverbrauch eingesetzt wird und man den Strom selber produziert, scheint es aufgrund der hohen Nachhaltigkeit und der geringen Kosten und Materialaufwand des Systems angebracht, diese Variante zu wählen. 
Auch unter dem Aspekt der Lebenszykluskosten und der sehr geringen verwendeten grauen Energie bei Produktion der Folien im Gegensatz zur konventionellen Wärmebereitung und -verteilung erscheint diese Form der Beheizung – nicht nur in historischen Bauten - in einem thermisch bestmöglich gebauten Dachboden, höchst sinnvoll zu sein.

Text: Jochen Käferhaus
Fotos © OHW

AkteurInnen:

Architektin: Stefanie Huber
Bauherrschaft: Jochen Käferhaus
Bauphysik: Technisches Büro Käferhaus GmbH

Adresse:

Schönngasse 18, 1020 Wien

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr
Bauphysiker anwesend

Erreichbarkeit:

U2, Messe Prater
11A,11B, Jungstraße

Baujahr:

2017

Links:

http://www.kaeferhaus.at/index.php/de/