Pavillons Mang

Im Park des Wasserschlosses Laudon, das ebenfalls zu besichtigen ist, wurde ein Tennisklubgebäude im Zusammenhang mit einem Hotelbetrieb erbaut. Es ist ein Beispiel der architektonischen Aufbruchsstimmung der frühen sechziger Jahre.

OHW-Erlebnis

Idealerweise kombinierst Du einen Besuch des Pavillons mit der Tour durch das barocke Wasserschloss Laudon. Direkt im Anschluss an die Wasserschloss-Tour gelangst Du in den hinteren Teil des Parks, in dem die Pavillons liegen.

Das Wasserschloss Laudon ist vom damaligen Besitzer, Alfred Weiss (Inhaber Arabia Kaffee), in den 60er Jahren zu einem Luxushotel umgebaut worden. Auf dem Parkgelände wurde, ergänzend hierzu, eine Sport- und Erholungsanlage errichtet, die unter anderem ein Schwimmbad und ein Tennisklubgebäude umfasste. Dieses Klubgebäude hatte außerdem die Funktion zu erfüllen, in einem gesonderten Raum Kinder der Gäste aufzunehmen.

Die Lage und die Funktion des Gebäudes bedingt eine starke Trennung der Räume, die sich im Außenbereich fortsetzt. So kragen die Mauern tief in die Natur hinein, Freiräume für die einzelnen Funktionen schaffend. Während sich der Teil des Tennisklubs vom Schwimmbad absetzt und sich auf der einen Seite weit in die vorgelagerte Wiese, auf der anderen Seite zu den Tennisplätzen öffnet, wird der Kinderaufenthaltsraum mit den dazugehörigen Spielplätzen im Freien wiederum durch Mauern vom Tennisplatz getrennt. Die Konstruktion folgt diesen räumlichen Prinzipien. Klubraum sowie der Aufenthaltsraum für Kinder tragen eine Holzdecke über massivem Ziegelmauerwerk. Der Zwischenteil, der sehr niedrig gehalten wurde, ist als reine Holzkonstruktion ausgebildet. Um den Räumen genügen Sonnenschutz zu geben, sind bei den Mauerwerkscheiben Stahlträger verwendet worden, die weit auskragende Dächer ermöglichen. Das Mauerwerk selbst zeigt an den Außenflächen die natürliche Oberfläche. Die Fensterstöcke und Rahmen aus Holz sind weiß gestrichen, die Stahlträger dunkelgrün. Die Holzschalung erhielt einen dunkelbraunen Schutzanstrich.
Zu der Einrichtung des Klubraumes gehörten Thonetsessel älterer Bauart, die sich vorzüglich für die Nebenbestimmung des Raumes als Bridgeraum eigneten. Alle anderen Möbel waren Wenge furniert. Der Kinderspielraum, der nur fallweise dieser Bestimmung diente, blieb so weit wie möglich frei und wurde nur sparsam mit aus Buche furnierten Platten möbliert. Die Kisten für das Kinderspielzeug konnten gleichzeitig als Sitzgelegenheit und Tische verwendet werden.
Das Tennisklubgebäude wurde später mit einem Anbau mit Satteldach, das vorgezogen als vorgelagerte Dachkonstruktion einen Vorplatz bildet, erweitert.

Das Klubgebäude (...) ist ein Beispiel der architektonischen Aufbruchstimmung der frühen sechziger Jahre: auskragende Flachdächer, Scheiben aus Ziegelmauerwerk und großzügige Verglasungen oder füllende Holzwände; also eine auf bescheidenere Verhältnisse angewandte kalifornische Architektur (von Wright bis Neutra), die aber eine echte Entwicklungsperspektive signalisiert. Solche Bauten altern auch mit Würde.
Friedrich Achleitner

Quelle: Zeitschrift „planen, bauen, wohnen“ aus dem Jahre 1967, freundlich zur Verfügung gestellt von Brigitte Mang; Österreichische Architektur im zwanzigsten Jahrhundert; Friedrich Achleitner

© Fotos: Dieter Henkel und OPEN HOUSE WIEN

AkteurInnen:

Architektur: Karl Mang, Eva Mang-Frimmel

Adresse:

1140, Mauerbachstr. 43-45

Öffnungszeiten:

So 10 - 17 Uhr

Erreichbarkeit:

Bus 450, Schloss Laudon

Baujahr:

1963-65

Links:

AzW Architektenlexikon Eva Mang
AzW Architektenlexikon Karl Mang