Ottakringer Brauerei

Der Geruch von Malz liegt in der Luft und der Begriff „16er Blech“ gehört mittlerweile zum Wiener Vokabular. Kaum ein anderer Betrieb prägt die Identität eines Bezirks so stark wie die Ottakringer Brauerei den Sechzehnten. Als einer von wenigen hat der Großbetrieb im verdichteten urbanen Raum überlebt und ist mit der Stadt gewachsen.

OHW - Erlebnis

Die Tour startet direkt beim Eingang Ecke Ottakringer Str./Feßtgasse. Zuerst erfährst du etwas über das Brauwerk, dann geht es weiter auf den Gerstenboden und in den Darreturm, der jetzt ein Besprechungszimmer ist. Anschließend geht es über den Verladeplatz zum Lager. Im Anschluss bekommst du noch eine kleine Kostprobe und kannst auch die Ausstellung Future Factory (nur SA 10-13 Uhr) besuchen – siehe link.

1837 gründete der Müllermeister Heinrich Plank die Brauerei in Ottakring. Neben dem Brauhaus wurde das Stammhaus „Zu den drei Röserln“ mit Bierschank, Tanzsaal und Biergarten zu einem lebhaften Ort in der Vorstadt. Dort wimmelte es zu dieser Zeit an Brauereien und Wirtshäusern. Mit dem Verkauf der Brauerei (1850) an die Familie Kuffner begann jedoch der Ausbau zu einem Großbetrieb, der fortan die Geschichte, die Identität sowie die Politik des Bezirks prägen sollte.
Neben den wohltätigen Kuffners gehörten auch die Mitglieder der Familie Vock zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des Bezirks. Franz Vock wurde zu einem der großen Baumeister in Wien und arbeitet vor allem für die Familie Kuffner, deren Brauerei sich zum dominantesten Betrieb Ottakrings entwickelt hatte und konstant ausgebaut wurde. Vock realisierte das große Maschinenhaus und zahlreiche andere Projekte. Für die technisch anspruchsvolle Malztrocknung konzipierte er 1907 den Darreturm. Dieser sorgte für viel Aufmerksamkeit und gilt heute noch als Wahrzeichen des Bezirks.
Die Ottakringer Brauerei wuchs zu einem beinahe 40.000 Quadratmeter großen Areal. Es wurden eine Spiritus- und Presshefefabrik, eine Binderei, Stallungen, Lagerräume, Arbeiterwohnungen und Wasserreservoirs gebaut. Um das Bestehen des Betriebs zu garantieren wurde sogar ein eigener Brunnen gegraben, der die Brauerei bis heute mit frischem Quellwasser versorgt.
1938 war die jüdische Familie Kuffner gezwungen ihren Großbetrieb zu verkaufen. Sie kehrte nie zurück. Der Verkauf verlief jedoch vergleichsweise fair ab und die Familie erhielt nach dem Krieg weitere Restitutionsnachzahlungen.
Die Familie Harmer übernahm den Betrieb und bemühte sich die geschichtsträchtige Brauerei innovativ fortzuführen. Allmählich wurde die Anlage renoviert und auch für andere Nutzungen geöffnet. Während in den Kesseln nach wie vor gebraut wird, finden auf den alten Böden Veranstaltungen statt. Die Brauerei prägt bis heute die Identität des 16. Bezirk. Der Geruch von Malz liegt dabei immer noch in der Luft.

© Text: Sophia Garner, Fotos: Dieter Henkel

Adresse:

1160 Wien, Ottakringerplatz 1

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr
So 10 - 17 Uhr
Besonderer Hinweis: Viele Stufen!

Erreichbarkeit:

Linie 2, 9, 44 Johann-Nepomuk-Berger-Platz
Linie 46, Feßtgasse

Baujahr:

1837/38 erste Brauerei seither konstanter Ausbau
1907 Darreturm
2012 Sanierung

Links:

www.ottakringerbrauerei.at
www.wien.gv.at

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