Kugelmugel

Wer kennt es nicht, das kugelrunde Haus gleich neben dem Wurstelprater? Seit über 30 Jahren umgibt ein hoher Stacheldrahtzaun das kleine Grundstück. Viele standen davor und haben sich gefragt, welches seltsame Haus das wohl sei. In den 1970er Jahren von Edwin und Klaus Lipburger erbaut, öffnet das Haus erstmals seine Tür für BesucherInnen!

OHW - Erlebnis

Betrete die Republik Kugelmugel hinter dem Stacheldraht und entdecke ein ganzes Kunst-Universum. Das Bauwerk war Lebens-Werk und Mittelpunkt des Künstlers Edwin Lipburger. Viele Skandale und ein Gefängnisaufenthalt begleiteten den Werdegang dieses Projektes.

Die 1970er waren Kreisky und Energiekriese, Reichsbrückeneinsturz und UNO-City, Danzer und Ambros, Cordoba und Moser- Pröll – sie waren auch eine Zeit des Beschreitens neuer Kunstwege. Kunstschaffende, mitunter noch auf den Ausläufern der 1968er unterwegs, erdachten das Kontroverse, das Provokante, schufen Kunst als begreifbare Kritik an der Mehrheitsgesellschaft, sahen sich als Erdenker von alternativen Lebenskonzepten und setzten diese auch um.
Einer dieser Querdenker war Edwin Lipburger, der sich mit Wohnraum beschäftigte: weg vom Rechten Winkel, von verbauter Fläche, von klar definierten Widmungen. Daraus entstand die Sphaera 2000: ein kugelförmiges Objekt, das auf einem Auflagepunkt der Fläche Null umwandeten Raum bietet, ohne Boden für sich zu beanspruchen. Zusätzlich ist die Kugel als rollbares Objekt nicht an den Ort ihrer Aufstellung gebunden und unterliegt daher auch nicht behördlichen Nutzungsvorgaben, der Raumordnung o.Ä.
1971 wurde die Sphaera Realität. Auf dem Grundstück eines Bauern in Katzelsdorf/Wiener Neustadt errichtete Lipburger gemeinsam mit Sohn Nikolaus aus 128 Holz-Einzelteilen zusammengesetzt eine Hohlkugel mit 7.68 m Durchmesser, betretbar durch ein Zugbrückentor, aufgeteilt in zwei, durch eine Wendeltreppe verbundene Stockwerke.
Die Ausgangssituation – Bau ohne Baugenehmigung – und die Weltauffassung des Künstlers führten bald nach der Errichtung zu einem Konflikt mit der Baubehörde des Landes Niederösterreichs. Als Reaktion auf Gerichtsbeschlüsse, die den Abriss der Sphaera 2000 bedeuten, stellte er die Zuständigkeit der Behörde als solches in Frage, in dem er durch das Ausrufen eines eigenen Ortes, dann eines eigenen Bundeslandes und schließlich einer eigenen Republik „Kugelmugel“ die Absurdität der Behörde als solches aufzeigen wollte. Der weitere Rechtsstreit brachte Lipburger ins Gefängnis und machte weltweites Aufsehen, wobei die Sympathien eindeutig auf Seiten des Künstlers lagen. Als Ausweg zwischen Erhaltung und Abriss ergab sich 1982 die Übersiedlung nach Wien auf Einladung des damaligen Bürgermeisters Zilk. Das zur Verfügung gestellte Grundstück im Prater entsprach allerding s nicht den Erwartungen und reduzierte die Möglichkeiten der Nutzung, aber man musste sich fügen.
Heute ist die Republik Kugelmugel, einem Verein unterstellt, mit ihrem Stacheldrahtzaun, ihrem Grenzbalken, ihrem Ortsschild und ihrem Zollhäuschen ein Kuriosum am Rande des Wiener Praters, das für Ausstellungen u. Ä. genutzt wird.

© Fotos: Dieter Henkel , Text: Renate Fuchs-Schreiber

Quellen:
wikipedia.org
www.kugelmugel.at
Aussagen des Vertreters des Vereins Kugelmugel bzw. von Nikolaus Lipburger

AkteurInnen

Architektur: Edwin Lipburger

Adresse:

1020 Wien, Prater Hauptallee/Antifaschismusplatz 2

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr
So 10 - 17 Uhr
Kinderführungen 10-16 Uhr

Erreichbarkeit:

U1, U2, Praterstern

Baujahr:

1971

Links:

www.kugelmugel.at
Ö1 - Hundert Häuser:Sendetermin 3.Juli