Konzilsgedächtniskirche

Von außen ahnt man nicht, dass diese aus Beton gegossene Kirche einen hellen, lichtdurchfluteten Innenraum hat. Ein architektonisches Juwel aus Beton und Licht!

OHW-Erlebnis

Im beeindruckenden Kirchenraum kann auch der sonst gesperrte Rundgang sowie ein Beichtstuhl besichtigt werden. Von 15-16 Uhr sind Führungen aufgrund einer Taufe nur eingeschränkt möglich.

 

Fast zwei Jahrtausende unterlagen Kirchen klare baulichen Vorgaben, ihre Ost-West-Ausrichtung, Raumaufteilung und Innengestaltung betreffend.
Vorne war der Platz des Priesters, dem Altar zugewandt, näher an der Göttlichkeit als die Gläubigen, die diese mit Ehrfurcht empfangen durften, auf den "besseren" Plätzen die Angeseheneren, die Vermögenderen, auf den hinteren die Untersten in der Hierarchie. Dann kam das 2. Vatikanische Konzil und mit ihm die buchstäbliche Wende: die des Priesters zu den Gläubigen hin, deren Sprache er auch von nun an im Gottesdienst verwenden sollte. Aus dem Betrachten und dem passiven Empfangen der Göttlichkeit wurde ein Miteinander, in dem der Priester zwar die zentrale Rolle spielte, aber nur als Verbinder, als Achse, als Teil der Gemeinschaft Gleichwertiger
Dieser Umbruch machte sich auch im Kirchenbau breit:
1968 wurde die Kirche "Konzilsgedächtniskirche" in Lainz fertig gestellt. Ganz im Sinne des Konzils brach man mit den strengen baulichen Eigenschaften früherer Kirchenbauten: Ein zentraler, nahezu quadratischer Raum mit fast 30 m Seitenlänge entstand. Im Zentrum steht der Altar, die Sitze der Gläubigen sind um diesen herum gruppiert. Kein Altarbild hängt darüber, kein Kruzifix. Nichts, was vom Glaubenserlebnis ablenken kann, nichts bleibt uneinsehbar, das Glaubensgeheimnis wird geteilt und nicht nur gehütet. Insgesamt ist der 8m hohe Raum eher schmucklos, lässt aber die Möglichkeit für wechselnden Schmuck zu. Es fallen die Türnischen in allen vier Ecken des Raumes auf: aus allen Himmelsrichtungen sind die Gläubigen willkommen. Große Oberlichten über der abgehängten Holz-Kassettendecke geben dem Saal mit den wuchtigen Mauern und Bauteilen eine Leichtigkeit, was man bei dem verwendeten Material nicht unbedingt erwarten würde: Beton. Er wird unverputzt verwendet und an vielen Stellen selbst zum Schmückenden: Wellen ziehen sich über den oberen Bereich des Saals. Ein wenig intimer wirkt hingegen die Taufkapelle, in der nur das Wesentliche enthalten ist: ein Becken auf einer runden Betonstele, ein kleines Kruzifix, eine kreisrunde Oberlichte.
Geplant und realisiert wurde die Kirche vom österreichischen Architekten Josef Lackner (1931-2000). Er errichtete in 40 Jahren Schaffenszeit zahlreiche Sakralbauten, Wohnhäuser, Geschäfts- und Verwaltungsbauten in ganz Österreich. Die Konzilsgedächtniskirche, die 2012 renoviert wurde und heuer das 50-Jahr-Jubiläum feiert, ist sein einziger Bau in Wien.

Text: Renate Fuchs-Schreiber
Quellen: wikipedia.org/wiki/Josef_Lackner_(Architekt)
www.langenachtderkirchen.at
pfarre-lainz-speising.at
Foto ©Dieter Henkel

AkteurInnen

Architektur : Josef Lackner
Sanierung: Beatrix Prucha

Adresse:

1130 Wien, Kardinal-König-Platz 1

Öffnungszeiten:

So 13 - 17 Uhr
von 15 - 16 Uhr Führungen aufgrund einer Taufe nur eingeschränkt möglich

Erreichbarkeit:

Straßenbahn 60, Jagdschloßgasse

Baujahr:

1967 – 1968
2012 Sanierung

Links:

pfarre-lainz-speising.at