Kirche Christkönig-Neufünfhaus

Der klassische Bau wurde als Gedächtniskirche für den im August 1932 verstorbenen Altbundeskanzler Ignaz Seipel von der Gründerin der Caritas Socialis und christlichsozialen Abgeordneten Doktor Hildegard Burjan initiiert. Der Architekt  der Kirche Clemens Holzmeister war ein bedeutender österreichischer Baukünstler, der rund 650 Bauwerke im In- und Ausland schuf.

OHW-Erlebnis

Bitte vor der Kirche auf den Volunteer warten, falls diese/r gerade mit einer Gruppe unterwegs ist. Besichtigt wird der Altarraum mit einem der größten modernen Mosaike Europas. Nach einem kurzen Abstecher in die Sakristei geht es hinunter in die Krypta. Bis 1938 standen hier die Sarkophage von Ignaz Seipel und Engelbert Dollfuß.

Bezeichnend für diesen Bau am Vogelweidplatz von 1932-34 ist der von den politischen Ereignissen erzwungene Wechsel der Namen: Geplant wurde sie als „Seipel-Gedächtniskirche" – initiiert von Hildegard Burjan. Sie fasste nach dem Tod des Altbundeskanzlers Ignaz Seipel den Entschluss, seinem Andenken ein Denkmal zu setzen und beauftragte den Architekten Clemens Holzmeister. Seipels Sarkophag fand in der Krypta unter dem Altar Platz. Die Fertigstellung des Baus fiel ins katastrophale Jahr 1934 mit Bürgerkrieg und Naziputsch. Nach der Ermordung von Dollfuß kamen staatliche und kirchliche Stellen überein, auch dessen Sarkophag in der Krypta unterzubringen. (Beide Sarkophage wurden 1938 von dort entfernt.)
Mit dem neuen Titel „Dr. Seipel-Dr. Dollfuß-Gedächtniskirche“ wurde diese Kirche vielen zu einem Monument des „Austrofaschismus“ und anstößiges Zeichen der Verbindung der Kirche mit diesem autoritären System. Letztendlich wurde sie in „Christ-Königskirche“ umbenannt.
In der Zeit des Bankensterbens wählte Clemens Holzmeister ein schlichtes Erscheinungsbild und verzichtete auch auf den ursprünglich geplanten Turm. Die Baustelle der Kirche lag in einer Arbeitergegend und wurde während der Bauarbeiten Ziel für Parolen. An den Planken der Baustelle an der Schmelz klebten Plakate mit der Aufschrift „Wir müssen hungern und sie bauen Kirchen.“
Clemens Holzmeister wählte die Typologie des „Klosters“ mit einer klaren Dominanz der Kirche, ein Pfarr- und Fürsorgehaus, gruppiert um einen „Kreuzgang“ (Gartenhof). Der Entwurf ist „eine Gottessiedlung, in sich gekehrt, durch einen Grüngürtel von den umgebenden Straßen getrennt.“

Quellen: Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Friedrich Achleitner Clemens Holzmeister, Haymon Verlag
Foto ©Dieter Henkel

AkteurInnen:

Architektur: Clemens Holzmeister

Adresse:

1150 Wien, Vogelweidplatz 7

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr
So 13 - 17 Uhr

Erreichbarkeit:

U3, Schweglerstraße (12 min Fußweg)
Linie 49, 9, Beingasse

Baujahr:

1933 - 1934

Links:

www.neufuenfhaus.at
wikipedia.org