Karl-Seitz-Hof

Der Karl-Seitz-Hof ist wie der Reumann-Hof ein Werk des berühmten Architekten der Sozialdemokratie Hubert Gessner. Dieser „klassische“ Gemeindebau in Jedlesee für rund 5.000 Bewohner*innen in 1.173 Geschoßwohnungen kann als ein Höhepunkt des Wohnbauprogramms interpretiert werden.

Zentrum des zwischen 1926 und 1931 errichteten Gemeindebaus ist ein Ehrenhof, der vor der gigantischen halbrunden Hauptfront liegt, die sich zur Jedleseer Straße hin öffnet. Der Mittelteil der Hauptfront ist erhöht, fünf große Rundbögen bilden den Zugang zu den acht dahinterliegenden geschlossenen Höfen. Ein neungeschossiger Uhrturm am linken, nördlichen Ende der Hauptfront wird von zwei davorstehenden riesigen Amphoren eskortiert. Dieser Uhrturm dokumentiert Gessners Neigung zum repräsentativen Stadthochhaus.
Der Karl-Seitz-Hof verfügt über ein vielfältiges Wohnungsspektrum und über ebenso vielfältige infrastrukturelle Einrichtungen: eine im rechten, südlichen Hof liegende Sporthalle (benannt nach dem ASKÖ-Funktionär Dominik Hofmann), die auch den Waschsalon beherbergt, zahlreiche Geschäfte, Bäder, einen Kindergarten, eine Gaststätte, ein Kaffeehaus und weitere Gemeinschaftseinrichtungen. Vis a vis der Sporthalle bildet ein großer Theater- und Versammlungssaal, der zuletzt von einer Tanzschule genutzt worden war, den Abschluß des rechten, südlichen Teils. Während die Hauptfassade einen einheitlichen, monumentalen und abweisenden Eindruck vermittelt, sind die Rück- und Hofseiten kleinteilig und kubisch verschachtelt. Eine Neigung zum Aufbrechen der Großform in kleinteilige Bauformen ist bei den späteren Bauteilen erkennbar.
Dieser Volkswohnungspalast Gessnerscher Prägung ist eine Fortsetzung des mit dem Reumann-Hof begonnenem „Superblock“; hier im 21. Bezirk in einem eigenen Stadtviertel mit rund 5.000 Bewohner*innen und in einem autonomen Block.
Bemerkenswert ist die baukünstlerische Gestaltung des Karl-Seitz-Hofes. Keramische Fliesen zieren die Stiegenaufgänge, Stiegenhäuser sind verglast. Die großen Tore der Hauptfront und andere Gitter zitieren Gessners Lehrer Otto Wagner. Die Plastik eines schreitenden Mannes mit der Inschrift "Werdet um zu sein" stammt von Wilhelm Frass (1936).

© Text: Eva Barilich, Fotos: Dieter Henkel

AkteurInnen:

ArchitektInnen: Hubert Gessner

Adresse:

1210 Wien, Karl-Seitz Park

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr

Erreichbarkeit:

Bus 34A Jedlesee/Bellgasse

Baujahr:

1926-1931

Links:

www.wiernerwohnen.at