Hollein Boutique Tegetthoffstraße

Pop Art an einem Stadthaus im 1.Bezirk? Ein Auftrag an einen Avantgardisten, der sich den Regeln und Normen des Bauens widersetzt und „Alles ist Architektur“ postuliert? In den 1960ern war auch das möglich und so erhielt der junge Architekt und Avantgardist Hans Hollein den Auftrag, ein Modegeschäft im 1. Bezirk zu designen, die Boutique CM.

OHW-Erlebnis

Infos zum Objekt und zur Inneneinrichtung gibt es bei Schönwetter vor der Tür, bei Regen drinnen. Aufgrund der Kleinheit des Geschäftes kann immer nur eine begrenzte Anzahl an BesucherInnen hineingehen.

Es ist buchstäblich ein Tor in eine andere Zeit, dieses Geschäftsportal in der Tegetthoffstraße 3: Auf einem hellgrauen Untergrund hebt sich ein Kreis aus braun getönten Glassegmenten ab, der seinerseits einen dicken orangefarbenen und darin weitere graue konzentrische Kreise beinhaltet. Eher abweisend wirkt die undurchsichtig grau beschichtete Eingangstüre. Wir sind in der Hippie-Ära, als Buntheit gewollt und Plastik noch kein Umweltgift war. Die 60er Jahre in Wien: Eine Gruppe junger Kunstschaffender widersetzt sich dem kreativen Establishment. Der Avantgarde gehören u.A. Friedensreich Hundertwasser und Arnulf Rainer an, aber auch der junge Architekt Hans Hollein, der seinen Leitsatz „Alles ist Architektur“ lebt. Er hat gerade sein erstes Architekturprojekt verwirklicht – die Kerzenboutique Retti in Wien I, als er 1966 von Christa und Kaspar Ludwig Metek den Auftrag zur Gestaltung einer Modeboutique in der Tegetthoffstraße erhält. 1967 erfolgt die Fertigstellung der Boutique CM.
Wie bei Retti verzichtete er auf die Funktion der Schaufenster. Die Kreissegmente geben kaum informativen Einblick ins Innere, sondern sind Teil der Architektur und wollen als solche verstanden werden. Ebenso wie bei Retti fehlt das Verkaufspult, das KundIn und VerkäuferIn trennt. Hatte er bei Retti vor allem Metall (an der Fassade) und Spiegel (im Inneren) verwendet, so verwendete er bei der nur rund 15 m² großen CM-Boutique ausschließlich weißen Kunststoff. Der in den 1960ern billige, allgegenwärtige und vielseitige Kunststoff wird hier dem organischen Textil gegenüber gestellt. Plastik als Verpackung von Kleidunststücken: In der unteren Hälfte der Seitenwände ruhen die Waren wie in Inlays, wie sie für die Spielsteine von Gesellschaftsspielen verwendet werden. In der oberen Hälfte reihen sich große Kunststoffquadrate aneinander, die an die Seitenteile von Kanister erinnern. Das Weiß der Verpackung unterstreicht die Kraft der Farben derWare. Das Baumaterial verschmilzt durch das Design mit dem Zweck. Architektur ist Kunst und Alles ist Architektur.

Hans Hollein erhielt in Folge zahlreiche nationale und internationale Architekturaufträge. Realisierte Werke, Entwürfe und Publikationen bringen ihm internationales Ansehen und Preise. Sein bekanntester Bau in Österreich ist das Haas-Haus am Stephansplatz. Hollein unterrichtete an zahlreichen Hochschulen und verstarb 2014. Die Boutique CM beinhaltet heute einen Vintage-Shop.

© Fotos: Nikolaos Kouklakis, Text: Renate Fuchs-Schreiber

Quellen:
wikipedia.org
www.wienerzeitung.at
www.hollein.com
derstandard.at

AkteurInnen:

Architektur: Hans Hollein

Adresse:

1010 Wien, Tegetthoffstraße 3

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr
So 10 - 17 Uhr
Barrierefrei: Zugang nur mit schmalem Rollstuhl möglich

Erreichbarkeit:

U1,U3, Stephansplatz
Linie 1, 71, 2, D Oper/Karlsplatz
Bus 2A Albertina Platz

Baujahr:

1966/67

Links:

www.docomomo.at
www.hollein.com