Hochhaus Herrengasse

Das Hochhaus Herrengasse war bei seiner Errichtung das höchste Wohnhaus Wiens. Ganz oben befand sich ein öffentliches Tanz-Café, das in den 60er Jahren zu Wohnungen umgebaut wurde. Das damalige Konzept einer attraktiven Einkaufsmeile in der Erdgeschosszone erlangt aktuell durch den Umbau der Herrengasse zur Begegnungszone neue Aktualität.

OHW-Erlebnis

Treffpunkt ist vor dem Eingang. Die Führung beginnt im Foyer, führt in den Innenhof, wo das Glasstiegenhaus von außen zu sehen ist. Mit dem Lift geht es weiter in den obersten Stock. Vom Veranstaltungssaal und der Dachterrasse hat man einen herrlichen Blick über Wien. Der Weg hinunter führt über das Glasstiegenhaus (bei Bedarf natürlich auch mit dem Lift).
Die Espressobar im Eingangsbereich ist geöffnet. Zusätzlich werden Führungen in Englisch angeboten.

Das Hochhaus in der Herrengasse wurde 1930-32 auf dem Bauplatz des berühmten Bösendorfer Konzertsaales, der sich innerhalb des Palais Liechtenstein befunden hatte, erbaut. Nachdem das Palais 1913 abgerissen wurde, blieb das Grundstück aufgrund des Ersten Weltkrieges beinahe zwei Jahrzehnte eine Baulücke.
Der Bau des Hochhauses Herrengasse entwickelte sich zum parteipolitischen Prestigeprojekt – ursprünglich sollte das Gebäude mit seiner Funktion als „innerstädtisches Zentrum“ mit Lesehallen, begehbaren Dächern, Büros und Wohnungen zu einem „Statement der Sozialdemokratie“ werden. Durch eine Abgaben-Novellierung der christlich-sozialen Bundesregierung wurde Wien 1931 jedoch mit hohen Gebühren belastet – es ist davon auszugehen, dass dies der Grund für das Fehlen der nötigen finanziellen Mittel der Sozialdemokraten war. Somit sollte das „schwarze“ erste Hochhaus Wiens kein multifunktionelles Gebäude für die Allgemeinheit, sondern ein Wohnhaus mit idealer Infrastruktur für seine Mieter werden.
Das Architekturbüro Theiss & Jaksch verlieh dem Gebäude in der Wiener Innenstadt amerikanisches Flair. Von den 15 Stockwerken wurden die ersten zwölf in Stahlbeton-Skelettbauweise, die oberen Etagen mit einer filigranen Stahl-Glaskonstruktion erbaut. Die zweigeschoßige Sockelzone wurde in schwarz gehalten, um eine Abgrenzung zur darüber liegenden, hellen und schlichten Fassade herzustellen. Diese dunkle, auffällige Erdgeschoßzone sollte die neue, noble Einkaufsmeile der Inneren Stadt repräsentieren und beinhaltete 36 Geschäfte. Der Weg in den mit großformatigen Marmorplatten ausgestatteten Eingangsbereich führt direkt an einem rundumverglasten Rondeau mit Espressobar vorbei.
Der „Wolkenkratzer“ beinhaltete 225 Wohnungen – rund die Hälfte wurde als „Ledigenwohnungen“ (Singlewohnungen) ausgeführt. Die Miete betrug pro Monat je nach Größe 80 bis 380 Schilling. Die Wohnungen waren nur mit einer Kochnische ausgestattet, die Bewohner sollten ihr Essen vom Restaurant in den oberen Stockwerken beziehen.

Quelle: hochhausherrengasse.at/geschichte
© Fotos: Gerhard Enzenberger, ÖNB Wien Bildarchiv

AkteurInnen

Architektur: Theiss & Jaksch, Kleinste Espressobar der Stadt (Eingang EG): BEHF Corporate Architects
Bauherrschaft: Österreichisches Creditinstitut
Tragwerksplanung: Rudolf Salinger

Adresse:

1010 Wien, Herrengasse 6-8

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17Uhr
So 10 - 17Uhr

Erreichbarkeit:

U3, Herrengasse

Baujahr:

1930-1932 / Ausbau 2012

Links:

www.hochhausherrengasse.at/
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