Haus Rufer

Ein nackter Kubus, gartenseitig etwas abgestuft, mit wenigen in die Fassade gestreuten Fenstern. Die Villa Rufer im Hietziger Villenviertel wurde 1922 vom berühmten Architekten Adolf Loos für die Familie Rufer errichtet. Einzigartig: Der Raumplan, für den Adolf Loos Bauten berühmt sind, ist hier unverändert geblieben. 

OHW-Erlebnis

Der zentrale Wohnraum ist zu besichtigen. Hier ist die Idee des Wohnplans gut ablesbar. Nach einem kurzen Abstecher in die kleine, vertäfelte Bibliothek – die einen interessanten, überraschenden Einblick gewährt – geht es über die Terrasse zurück in den Garten. 

Wien Ende des 19.Jahrhunderts: Ein junger Architekt aus Brünn kehrt aus den USA nach Wien zurück – in das Wien des Jugendstils und des allgegenwärtigen Otto Wagners. Die Seccession sieht sich als Kontrapunkt zum Konservativismus des Historismus und will die Verbindung von Kunst(gewerbe) und Alltag – anders als die amerikanische Moderne, die Loos kennengelernt hatte.

Genau diese Auflösung traditioneller Raumwidmungen, innen wie außen, widerstrebt dem als Architekturjournalist tätigen Loos, der die reine Funktionalität in ihrer Effizienz bevorzugt. Kunst und Bau sind zu trennen. Nur das verwendete Baumaterial, die Werkstoffe, dienen ästhetischen Ansprüchen, das Objekt selbst hat vor allem der Zweckdienlichkeit zu gehorchen und auf diese hin maximiert zu werden: Architektur ist frei von Kunst.

1904, nach diversen von ihm entworfenen und realisierten Geschäftseinrichtungen, widmete sich Loos der Bautätigkeit: Villen und Geschäfte in den Kernländern der Monarchie, aber auch sein bekanntestes Bauwerk in Wien, das Looshaus am Michaelerplatz entstehen.

Unter den sieben Loos-Villen in Hietzing zeichnet sich das Haus Rufer aus, da diese noch die ursprüngliche Innengestaltung von 1922, die Loos entworfen hat, aufweist.

Der in einer Seitengasse der Hietzinger Hauptstraße gelegene, bis auf ein Vries, das auf Wunsch des Auftraggebers angebracht wurde, schmucklose Betonkubus mit unregelmäßig angeordneten Fenstern wirkt eher unauffällig. Im Inneren jedoch zeigt das Haus die Haltung und den Pragmatismus Loos: Sein Auftraggeber wollte ein kostengünstiges Haus für seine große Familie. Loos baute vier Etagen in ein zweigeschossiges Haus. Die Villa Rufer verfügt über keine durchgängigen horizontalen Bauteile. Statt dessen ruhen Halbgeschossdecken auf den Außenwänden und einer tragenden Säule in der Mitte des Gebäudes, um die sich auch die Treppe nach oben windet. Viele noch erhaltene bauliche Details zeigen die Konzentration Loos auf eine zu erzielende Wohnqualität, die sich durch Funktionalität und Behaglichkeit auszeichnet. Loos übernimmt die traditionellen Nutzungsformen der Räume, passt ihre Anordnung und ihre Ausstattung aber an die Gegebenheiten und die Zweckdienlichkeit, also dem Bedürfnis ihrer Bewohner an.

Loos, der 1933 verstarb, erlangte mit seinem Baustil und seinem Raumplanungskonzept bald internationales Ansehen. Sein Werk konzentriert sich vor allem auf Österreich, dennoch ist sein weltweiter Einfluss auf die moderne Architektur unbestritten, wenn auch seine Persönlichkeit kritisch zu betrachten ist.

Das Haus Rufer befindet sich in Privatbesitz und steht unter Denkmalschutz.

© Text: Renate Fuchs-Schreiber, © Fotos: Dieter Henkel

 

AkteurInnen:

Architektur: Adolf Loos

Adresse:

1130 Wien, Schließmanngasse 11

Öffnungszeiten:

So 10 - 17 Uhr

Erreichbarkeit:

U4 Unter St.Veit

Baujahr:

1922

Links:

https://www.wien.gv.at
http://www.hietzing.at