ehem. Böhmische Hofkanzlei

„Als Böhmen noch bei Österreich war“ hatte Böhmen als Teil des Habsburgerreiches eine eigene Kanzlei in Wien, die für Verwaltung und Judikatur des Königsreichs Böhmens zuständig war. Das im Hochbarock von Fischer von Erlach errichtete Gebäude am Judenplatz beherbergt heute den Verwaltungsgerichtshof.

OHW - Erlebnis

Über eine Lichtschranke kommt man ins Gebäude. Der Rundgang beinhaltet sowohl Teile aus der Zeit von Johann Bernhard Fischer von Erlach, Matthias Gerl und Erich Boltenstern. Die Tour gibt Einblicke in die Welt von damals und von heute.
Führungen in Englisch werden an diesem Standort angeboten.

Die Hofkanzlei als Organ des Reiches ist vergleichbar mit dem heutigen Innenministerium.
Unruhen der böhmischen Untertanen („Prager Fenstersturz“) veranlasste den Habsburgerkaiser 1620 zur Verlegung der Böhmischen Hofkanzlei von Prag nach Wien, wo sie aber weiterhin dem böhmischen König, Lehensmann der Habsburger, unterstand.
Johann Bernhard Fischer von Erlach, erster Hofbaumeister des Kaiserhauses, plante und errichtete 1709-1714 in der Wipplingerstraße 7 das neue Domizil der Böhmischen Hofkanzlei.
Fischer von Erlach, geboren Mitte des 17. Jahrhunderts, lernte in Rom den Barockstil kennen und begann diesen als Architekt auch in Österreich umzusetzen: Kirchenbauten für den Salzburger Erzbischof, Aufträge für das Kaiserhaus und Adelsfamilien (z.B. die Gestaltung von Schönbrunn, der Prunksaal der Nationalbibliothek, die Hofstallungen, die Karlskirche am Wiener Karlsplatz).
Bei der Böhmischen Hofkanzlei setzte Fischer von Erlach seine Vorstellungen des Barocks um: statt üppigem Spätbarock dominiert hier eine klare Strukturierung des Hochbarock nach antikem Vorbild. Die Front ist vertikal gegliedert mit hervorgehobenem, durch einen Giebel betonten Mittelteil (Risalit). Die glatte Fassade wird durch aufgebrachte Schmuckelemente verziert. Der Löwe, das böhmische Wappentier, tritt in verschiedenen Formen auf und verweist auf die Widmung des Bauwerks.
Nach der Staatsreform von 1749 wurde das Gebäude unter der Leitung des Architekten Matthias Gerl deutlich vergrößert. Gerl orientierte sich stark am bedeutendsten Barockarchitekten Mitteleuropas, Johann Lucas von Hildebrandt (Hauptwerk Oberes Belvedere). Er war ein Konkurrent von Fischer von Erlach und folgte diesem als Hofbaumeister nach. Die Repräsentationsfassade und der Haupteingang wurden auf den Judenplatz ausgerichtet.  Die vertikale Gliederung beibehaltend, weist das Gebäude nun mehrere Risalite auf.
Für die monumental-repräsentative Gestaltung der Innenräume, Ende des 19. Jahrhunderts, ist Emil von Förster verantwortlich.

Im 2. Weltkrieg durch eine Bombe schwer zerstört, danach saniert und mittlerweile unter Denkmalschutz stehend, dient die Ehemalige Böhmische Hofkanzlei heute dem österreichischen Verwaltungsgerichtshof als Sitz.

© Text: Renate Fuchs-Schreiber, Fotos: Dieter Henkel

AkteurInnen

Architektur: Johann Bernhard Fischer von Erlach (Matthias Gerl, Emil Förster, Erich Boltenstern)

 

Adresse:

1010 Wien, Judenplatz 11

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr

Es wird eine Zugangskontrolle durchgeführt!

Führungen auch in Englisch.
Wegen aktueller Umbauarbeiten ist der barrierefreie Zugang leider nicht möglich!

Erreichbarkeit:

U1, Stephansplatz U3, Herrengasse

Baujahr:

1709-14

Links:

Österreichischer Verwaltungsgerichtshof