Am Schöpfwerk

Am Schöpfwerk ist die Adresse zweier Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien, die 1951–1957 bzw. 1976–1980 errichtet wurden. Sie befinden sich auf dem Gebiet des ehemaligen Wiener Vorortes Altmannsdorf in Meidling. Der Name Schöpfwerk stammt von einem Hebewerk, das der Wasserversorgung eines Eiswerkes diente. In den Gemeindebau-Trail wird die neuere Siedlung, Am Schöpfwerk 29, aufgenommen.

Der Architekt Viktor Hufnagel leitete das achtköpfige Architekt*innenteam, das die städtische Mustersiedlung Am Schöpfwerk 29 realisierte. Dazu gehörten Eric Bauer, Leo Parenzan, Joachim Peters, Michael Pribitzer, Fritz Waclawek sowie Traude und Wolfgang Windbrechtinger.
Die Wohnbausiedlung wurde auf einem rund 18 Hektar großen Areal (dreifache Fläche des Stadtparks) errichtet und verfügt über eine Polizeistation, ein Postamt, einen Kindergarten und zwei Schulen sowie Gemeinschaftseinrichtungen wie Bücherei, Jugendzentrum und das Stadtteilzentrum „Bassena“. Die Anlage besteht aus 62 Stiegen mit 1.707 Wohnungen, davon entfallen 296 Wohnungen auf das Hochhaus, 579 auf den „Nordring“, 405 Wohnungen auf das „Oktogon“ und den „Südwestring“ sowie 454 Wohnungen auf den „Ostring“; ein Mix aus vier unterschiedlichen Bauteilen, die halbkreisförmig um einen zentralen Park angeordnet sind. Die Anzahl der Geschoße nimmt von Norden nach Süden ab, wodurch die Lichtdurchflutung gesichert ist: Bei der U6-Station ragt das 17-geschoßige Doppelhochhaus in den Himmel, die Oktogone mit ihren idyllischen Innenhöfen haben nur vier Stockwerke.
Die Gestaltung der Fassade entspricht den Prinzipien der 1970er Jahre: Der Außenbau besitzt fast keine geschlossene, aufragende Wand, sondern ist abwechselnd in Loggien und großzügig gestaltete, mehrteilige Fenster mit Sprossenteilung aufgelöst. In die Planung wurde die Wiener Tradition der Höfe, vor allem jene des Roten Wien, aufgenommen und urban interpretiert. Besonderer Wert wurde auf die Typenvielfalt der Wohnungen gelegt. Die Palette reicht von der Atelier- bis zur Maisonette-Wohnung, viele verfügen über Loggia, Terrasse oder sogar Dachterrasse.
Im Zentrum der Anlage befindet sich eine Grünanlage, auf dem gesamten Gelände bestehen mehrere Kinderspielplätze. Eine von der Schöpfwerkpromenade ostwärts bis ins Zentrum der Anlage reichende Kleingartensiedlung (sie hatte 2014 auf dem elektronischen Stadtplan der Wiener Stadtverwaltung 106 Parzellen) wurde integriert.
Über 5.500 Menschen leben Am Schöpfwerk. Sie kommen aus verschiedenen Kulturen und sprechen über 30 Sprachen, ein Großteil der Bewohner*innen hat Migrationshintergrund. Die größten zugereisten Communitys haben ihre Wurzeln in Ex-Jugoslawien, der Türkei, Ägypten und auf den Philippinen.
Die Fassade des straßenseitigen Laubengangs, der gleichzeitig den Zugang zu den Stiegen darstellt, wurde von der österreichischen Künstlerin Brigitta Malche (geb. 1938) gestaltet. Die Arbeit trägt den Titel "Rhythmische Farbgestaltung".

© Text: Eva Barilich, Fotos: Nikos Kouklakis

AkteurInnen:

ArchitektInnen: Erich Bauer, Viktor Hufnagl, Leo Parenzan, Joachim Peters, Michael Pribitzer, Fritz Waclawek, Traude und Wolfgang Windbrechtinger

Adresse:

1100 Wien, Am Schöpfwerk 29, Treffpunkt Apotheke 

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr

Erreichbarkeit:

U6, Am Schöpfwerk

Baujahr:

1977-1980

Links:

www.wienerwohnen.at
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