Mühlgrund II

142 Mietwohnungen bilden den intimen Dorfanger, den Architektin Nerma Linsberger am Mühlgrund geplant hat. Ein kleiner Bach und Wiesen wo Pferde grasen zeugen noch von ländlicher Idylle, obwohl sich die Stadt natürlich schon weithin ausgebreitet hat. Die geschlossene Bebauung mit den beiden Häusern in der Mitte ergibt ein Ensemble das in sich ruht.

OHW - Erlebnis

Das Wohnprojekt Mühlgrund II ist nur einen kurzen Fußweg von der Station Stadtlau entfernt. Nach einem Rundgang durch die Anlage kannst Du eine Wohnung besichtigen.

Mühlen gibt es hier schon lange nicht mehr. Sehr wohl aber haben am Mühlgrund, wo einst Schiffer Handel betrieben hatten, bevor die Donau mit all ihren wild um sich greifenden Wasserarmen reguliert wurde, in den letzten Jahren die Mühlen der stetig wachsenden Stadt und der damit verbundenen Wohnbauversorgung gemahlen. Namhafte Wiener Architekten wie etwas Adolf Krischanitz, Hermann Czech, Werner Neuwirth, Martin Treberpurg und ARTEC haben hier Wohnbauten in unterschiedlichen Maßstäben errichtet.

Das Wohnprojekt „Offen für mehr“, Resultat eines Bauträger-Wettbewerbes mit dem Österreichischen Siedlungswerk (ÖSW), bringt in dieses Potpourri architektonischer Stile so etwas wie eine ruhige Mitte, wie einen kleinen, intimen Dorfanger hinein. In unmittelbarer Nachbarschaft eines Pferdegestüts (ja, man hört das Wiehern und Galoppieren), entstand ein U-förmiger Wohntrakt mit zwei innenliegenden Punkthäusern. Jede einzelne der insgesamt 142 Wohnungen – einige davon mit Superförderung vergeben – wird über einen offenen Laubengang erschlossen. Man hört die Natur. Man soll ja auch was haben von den hübschen Huftieren.

Die beiden Punkthäuser in der Mitte verfügen über ein offenes Atrium, indem sich so etwas wie eine kleine, intime Nachbarschaft bilden kann. Ein bisschen erinnert die Situation an ein warmes Südeuropa, wo man quer über den Innenhof vielleicht noch Wäsche zum trocknen aufhängen würde. Allzu bunt geht es hier jedoch nicht zu. Ganz im Gegenteil. Die sandfarbene Gestaltung der Wände und die monochromen Lochbleche im Dachbereich bringen etwas kontemplative Ruhe in den Hof. Ein schönes Ambiente.

Höhepunkt jedoch – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes – sind die bis zu vier Meter hohen Wohnräume im langen Bauteil, der die Grundstücksgrenze säumt. An manchen Stellen entlang der Fassade wird von den Wohnungen im ersten Stock ein 15m2 großes Eckerl abgezwackt, das einmal der darunter einmal der darüber liegenden Wohnung zugute kommt. Auf diese Weise entstehen Split-Levels mit einer im geförderten Wohnbereich unüblichen Großzügigkeit in der dritten Dimension. Einläufige Treppen schaffen nicht nur die Verbindung zwischen A und B, sondern sorgen auch für ein luftiges Wohnerlebnis mit einer atemberaubenden Aussicht in die Fauna und Flora.

© Fotos: Dieter Henkel, Text: Nerma Linsberger ZT GmbH

AkteurInnen

Architektur: Nerma Linsberger ZT GmbH
Bauherrschaft: ÖSW
Landschaftsplanung: Land in Sicht

Adresse:

1220 Wien, Fahngasse 6

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr

Erreichbarkeit:

U2, Stadlau
S-Bahn, Stadlau

Baujahr:

2016

Links:

NERMA LINSBERGER Architektur
Österreichisches Siedlungswerk