Kipferlhaus

Der Legende nach beherbergte dieses spätmittelalterliche Gebäude eine Backstube, in der das – dem türkischen Halbmond nachempfundene – Kipferl erfunden wurde. Nach einer liebevollen Revitalisierung erstrahlt das sogenannte „Kipferlhaus“ in neuem Glanz.

OHW Erlebnis

Bei der OHW - Tour werden diverse Räumlichkeiten besucht: Unter anderem kann das ehemalige Bäckerkammerl in der Galerie im EG und die freigelegte Stuckierung einer barocken Geschoßdecke im 1. Obergeschoß besichtig werden. Abschließend geht es zwei Stockwerke hinunter in den Keller, in dem sich jetzt eine Käsekammer und eine kürzlich eröffnete winebank befinden.

Das denkmalgeschützte Kipferlhaus hinter dem Stephansdom blickt auf eine lange Geschichte zurück.

Die ältesten erhaltenen Mauerteile stammen aus dem 12. Jahrhundert. Es handelt sich um die Fundamentreste des im 14. Jhd. hier befindlichen „Ramhofes“, ein Handwerkerhaus der Woll- und Tuchweber, in welches 1458 das Bäckergewerbe Einzug hielt.

In weiterer Folge wurde mehrfach aus- und umgebaut, bis 1705-07 schließlich das heute noch weitgehend erhaltene, dreigeschoßige Gebäude entstand. Eine Besonderheit stellt der nach wie vor erhaltene straßenseitige Kellerabgang aus dem 17. Jhd. dar, der an der hochbarocken Hauptfassade gestalterisch eingegliedert wurde und in eine mächtige zweigeschoßige Kelleranlage mit Ziegeltonnengewölben führt. Im 19. Jhd. wurden durch die weiter expandierende Bäckerei das Erdgeschoß zum Geschäftslokal und der Keller für ein Holzlager mit Transportschächten ausgebaut.

Die Ornamentierung an der Hauptfassade, insbesondere in Form von verschiedenen Backwaren über dem rundbogigen Portal, erinnern an die Nutzung als Bäckerei. Der Legende nach sollen die Kipferl mit der Halbmondform zur Verspottung der Türken zur Zeit der zweiten Türkenbelagerung hier ihren Ursprung haben. Tatsächlich dürfte dieses Gebäck jedoch bereits früher entstanden sein und jene Bäckerei stellte möglicherweise lediglich Kipferl von besonderer Qualität her.

Im Zuge der Sanierung 2010-12 wurden historische Elemente gesichert, saniert und stellenweise rekonstruiert. An einer ausgewählten Position im ersten Obergeschoß wurde die Stuckierung einer barocken Geschoßdecke freigelegt, um den Laubwerkstuck des 18. Jhd. hier beispielhaft zu zeigen. Insgesamt wurden 2000m² für Wohn- und Büronutzung sowie Geschäftsflächen im Erdgeschoß modernisiert.

Das Projekt wurde durch den Wiener Altstadterhaltungsfonds und das Bundesdenkmalamt gefördert.


Foto ©]Dieter Henkel

AkteurInnen

Architektur: Kerstin Hetfleisch Architektur

 

Adresse:

1010, Grünangergasse 8

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 12 Uhr
So 10 - 12 Uhr
Fachführungen zur selben Zeit.

Erreichbarkeit:

U1, U3: Stephansplatz
U3: Stubentor

Baujahr:

vor 1346
Generalsanierung 2010-2012

Links:

www.hetfleisch.net