Juridicum

Die rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien ist mit ihrer sechshundertjährigen Geschichte und über 10 000 Studierenden die älteste und größte des deutschen Sprachraums. Der starke Anstieg der Studierendenzahl machte in den 70ern den Bau eines neuen Hauptgebäudes notwendig: das Juridicum.

OHW - Erlebnis

Wir sehen den größten Vorlesungssaal, die Bibliothek und sogar das Dachgeschoß wird heuer für uns geöffnet. Ein Wegbegleiter des Architekten, Ernst Maczek-Mateovics, absoluter Juridicum-Fachmann, wird von 15-17 Uhr anwesend sein – nicht versäumen!

Das Juridicum ist einer der wenigen modernen Großbauten im unmittelbaren Zentrum Wiens. Die schwierige Planungsaufgabe des Architekten war, die Bedürfnisse eines Unibetriebes mit den baulichen Einschränkungen zu vereinen. Architekt Ernst Hiesmayr hatte in einem vorgegebenen Volumen ein komplexes Raumprogramm unterzubringen. Durch einen ingenieurstechnischen Kunstgriff konnte er die statischen Elemente derart optimieren, dass ein zusätzliches Geschoß möglich wurde. Die Konstruktion besteht aus vier Stahlbetonsäulen, in denen die gesamte Erschließung mit Stiegenhäusern und Aufzügen untergebracht ist. Auf diesen Stahlbetonsäulen lagern vier Stahlfachwerke, jedes neun Meter hoch und 52 Meter frei überspannend. Von diesen Stahlfachwerken sind wiederum Stahlsäulen mit der Geschoßdecken-Aufhängung abgehängt. So kann das gesamte Gewicht der sieben Obergeschoße durch die Stahlbetonsäulen in das Fundament gelangen, ohne die jeweils unteren Geschoße zu belasten. Dadurch konnten die Decken sehr dünn ausgeführt und ein zusätzliches Geschoß gewonnen werden.

Hiesmayr löste die Planungsaufgabe auch städtebaulich bravourös. Er legte die Hörsäle ins erste Untergeschoß und ermöglichte so eine großzügige öffentliche Zone im Erdgeschoß. Der Vorplatz durchfließt optisch das Gebäude und wird damit zu einer urbanen Begegnungszone.

Trotz Widerständen konservativer Gegner, denen der moderne Bau ein Dorn im Auge war, und trotz vieler Verzögerungen konnte das Juridicum, dessen Planungsprozess bereits 1968 begann, 1984 vollendet werden. 

Zu Recht wird das Juridicum als Lebenswerk Ernst Hiesmayrs bezeichnet, der eine wichtige Persönlichkeit in der Lehre war. Er vermochte es, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren; seine Gebäude sind klassisch, schlicht und klar.

Fotos ©]Lennart Horst @ The Gentlemen Creatives

AkteurInnen

Architektur: Ernst Hiesmayr
Bauherrschaft: Republik Österreich
IngenieurkonsulentInnen: Kurt Koss

Adresse:

1010, Schottenbastei 10-16

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr
Sa Fachführung 15-17 Uhr

Erreichbarkeit:

U2, Schottentor
Straßenbahn 1, Schottentor
Straßenbahn D, Schottentor
Straßenbahn 71, Schottentor
Straßenbahn 38/37, Schottentor

Baujahr:

1968-1984

Links:

juridicum.univie.ac.at
Das Bauwerk auf nextroom