k.k. priv. Länderbank

Das ehemalige Amtsgebäude der k. k. privilegierten Österreichischen Länderbank markiert den Beginn der Wiener Architektur des 20. Jahrhunderts. Diverse Literaturquellen sprechen vom „ersten modernen Bürogebäude Wiens“.

OHW - Erlebnis

Nach einer gemeinsamen Betrachtung der Fassade geht es weiter in das Vestibül und den ehemaligen Kassensaal. Auch Büroräumlichkeiten im zweiten Stock und der Sitzungssaal werden besucht. Die Gestaltung des jungen Otto Wagner muss man als (Wahl-)WienerIn einfach gesehen haben!

Bei dem 1884 fertiggestellte Bau der Österreichischen Länderbank handelt es sich um Otto Wagners ersten Auftrag aus öffentlicher Hand. Obwohl sich die Schauseite des Gebäudes noch im historistischen Stil mit Palastfassade präsentiert, wie es der Geschmack seiner Zeit und die Vorstellungen seiner Auftraggeber verlangten, so ist bereits eine gewisse Neuartigkeit und revolutionäre Modernität erkennbar. Die Innovationen zeigen sich vor allem in technischen Details, wie beispielsweise einer mit Glasfliesen belegten Stahlkonstruktion im Fußbodenbereich, um Tageslicht in die darunterliegenden Räume dringen zu lassen. Während die Außenfassade noch streng in der Tradition des Historismus ausgeführt wurde, so setzte Wagner im Hofbereich bereits eine stark reduzierte Fassadengestaltung um.

Der Grundriss, der Schnitt, die hofseitige Fassade, der Umgang mit Licht: Vieles war für damalige Verhältnisse revolutionär. Als Reaktion auf die leicht geknickte Grundstücksform setzte Wagner eine runde Vorhalle als Gelenk und Verteiler vor die große mehrgeschossige Kassenhalle und löste damit gekonnt diese schwierige Situation auf. Um jeden Raum mit natürlichem Licht zu versorgen wird dieses über eine großflächige Verglasung im Dachbereich, die darunterliegende Glaskuppel des Kassensaals und dessen abschnittsweise als Glasboden ausgeführten Fußboden bis in das Untergeschoss geleitet.

Die hofseitige Fassade zeigt mit ihrer Schmucklosigkeit erstmals eine neue Sachlichkeit, was im 19. Jahrhundert, vor allem für ein Bankgebäude, beinahe einen Skandal darstellte. In späterer Folge führte diese Tendenz der formalen Vereinfachung zu einer Abkehr vom Jugendstil, wie sie zum Beispiel Adolf Loos propagierte, und zur Architektur moderner Zweckbauten.

Otto Wagner sah auch Konstruktionen vor, die ein problemloses Versetzen der Leichtbauwände in den um den zentralen Kassensaal angeordneten Büros erlaubten. Auch hier ist der Beginn einer Loslösung von einem historistisch beeinflussten Raumkorsett zu bemerken.

Heute ist das Gebäude in Besitz der Burghauptmannschaft und wird vom Bundeskanzleramt und der Österreichischen Datenschutzkommission (DSK) genutzt.

Foto copyright Lennart Horst @ The Gentlemen Creatives

AkteurInnen

Architektur: Otto Wagner

Adresse:

1010, Hohenstaufengasse 3

Öffnungszeiten:

Sa 10 - 17 Uhr
So 10 - 17 Uhr

Erreichbarkeit:

U2, Schottentor
1, 71, D, Börse

Baujahr:

1883-1884

Links:

www.bka.gv.at
www.architektenlexikon.at